Eine schreiende Mutter

Posted On 15/05/2019

Vom Recht der Kinder auf wütende Eltern

Wenn mich mein Sohn tierisch aufregt, werde ich laut.
Erst macht sich eine brodelnde Hitze in meiner Bauchgegend breit, dann steigt dieser Wutschwall langsam nach oben. Unvermeidlich wie ein Vulkanausbruch. Dann ist die Wut größer als ich.
Da gibt es keinen Verstand mehr und keinen Raum zu reflektieren.
Ich schreie. Und es fühlt sich verdammt gut an.

 

Ich bin eine schreiende Mutter und stehe dazu

 

Ganz schön provokant, mögen manche finden. Und obendrein total unpädagogisch.

Ich finde das nicht provokant, sondern menschlich.
Oft sind wir Eltern extrem gefordert und befinden uns an der Belastungsgrenze.
Dass einem dabei mal die Sicherungen durchbrennen können, ist doch klar.
Und ich finde, man kann das ruhig äußern.
Einige halten ihre Gefühle zurück aus Angst, schlechte Eltern zu sein.

 

Kinder wollen echte Gefühle

Sie merken, wenn wir etwas vor ihnen verstecken und provozieren so lange, bis wir es endlich herauslassen. Das ist befreiend!
Denn dadurch entsteht unmittelbare, unverfälschte Begegnung. Absolut authentisch und frei von jeder Beschönigung. Manchmal gibt es eben nichts zu beschönigen. Manchmal ist es einfach verdammt scheiße.

Das will ich ausdrücken. Und zwar laut. Ich zeige mein wahres Gesicht – mein wütendes Gesicht. Der Beziehung zu meinem Kind schadet das nicht. Im Gegenteil.

 

Es bringt uns näher zusammen

Das mag paradox klingen, ist es aber nicht.
Wut ist per se nichts Negatives, sondern sehr kraftvoll und lebendig.

Ich will, dass mich mein Sohn so erlebt. Er soll wahrnehmen, dass seine Mutter keine ewig säuselnde Ja-Sagerin ist, die alles hinnimmt. Ich bin kein braves Muttchen.

Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch, der seine Gefühle zum Ausdruck bringt.
Wenn es die Umstände erfordern, auch schreiender Weise.

Ich werde meinem Kind gegenüber laut, weil es mich ultimativ auf die Palme bringt. Weil ich es manchmal am liebsten auf den Mond katapultieren würde. Weil mich gewisse Sachen unheimlich ankotzen.

Ich schreie. Mein Kind schreit zurück.
Es fliegen die Fetzen. Es knallen die Türen.

Und dann, wenn der ganze Zorn verraucht ist, sind wir uns näher als zuvor.

 

Autor: Constanze Wilz

Ich bin die Anti-Heldin unter den Müttern.
Kuchen backe ich mit Wut statt Liebe, Bügeln halte ich für einen Mythos und ohne meinen Kuschelhund kann ich nicht einschlafen.
Statt einem inneren Kind habe ich einen inneren Kinski.

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Ich bin alleinerziehende Mutter eines Sohnes und berichte ungeschönt aus meinem Alltagschaos.
Wenn ich mit dem Sohn kollidiere, explodieren Sterne.

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Charlette
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Charlette

Wut heraus zu lassen ist per se nicht falsch. Nur kann es sein, wenn sich der Verdtand ausschaltet und nur die Emotion übernimmt, dass man Dinge sagt und tut, die man später bereut. Und vll auch nicht zurück nehmen kann. Und, man kann sich auch ohne Wutausbrüche durchsetzen. Meine Mutter hatte früher oft Wutausbrüche. Tagelange. Mitten in der Nacht, am Morgen und am Abend. Schon bei Kleinigkeiten explodierte sie. Das war oft die Hölle und führte eher dazu, dass sich die Familie vor ihr zurück zog. Näher gebracht hat es uns nicht. Im Gegenteil. Und heute, wenn Frauen schreien, sorgt… Weiterlesen »

Michaela Huber
Gast

Danke für den ehrlichen Beitrag. 🙂

Busymamawio
Gast

Gerade heute trifft mich dein Beitrag richtig. Denn wie so oft habe ich mich mit meiner Tochter gefetzt und das so richtig. Jetzt ist sie beim Schwimmen mit Opa und ich sitze zuhause und grübel darüber nach, wieso ich mich denn nicht einfach wieder beherrschen konnte. Tja, du sagst es – weil ich auch nur ein Mensch bin. Und ja meine große kitzelt auch immer an dieser Grenze meiner Selbstbeherrschung bis ich sie verliere. Es freut mich zumindest, dass es nicht nur mir so geht. Aber es wirklich so hinnehmen und dazu stehen? Das kann ich irgendwie nicht…
Viele Grüße
Wioleta

Marisol
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Marisol

Danke Danke Danke! Du sprichst mir und vielen anderen Mamas aus der Seele! Bitte mehr davon!
Marisol

Irmi
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Irmi

Mit kamen beim lesen die Tränen. Deine Worte haben mich sehr berührt.

Herzliche Grüße aus der Schweiz,
Irmgard

Ruth
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Ruth

In mir schreit es innerlich: „JA!“ bei jedem Satz!! Toll, das du dieses Tabu ansprichst!!

Fühl dich ganz fest gedrückt, Ruth.

NanuNana
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NanuNana

Amen, Schwester!

Veronika
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Veronika

Ich hab Pipi in den Augen… ein wahrer und sehr herzlicher Artikel!

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